Unvereinbarkeit der FAB‑Planungen mit nachhaltiger Stadt- und Infrastrukturentwicklung

Die AG Energie- und Verkehrswende sowie der Regionalverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Wartburgkreis/Stadt Eisenach sehen den geplanten Bau eines Rechenzentrums zwischen Stockhausen und Hötzelsroda auch nach der Info-Veranstaltung in Neukirchen äußerst kritisch, da die absehbaren Belastungen den möglichen Nutzen deutlich übersteigen.

Hintergrund

Der Projektentwickler FAB plant, ein rund 85 Hektar großes Areal sowie angrenzende Flächen für ein Hyperscaler‑Rechenzentrum zu nutzen. Wer diese Anlage errichten, betreiben oder verwenden soll, ist laut FAB unklar. In der Praxis handelt es sich bei solchen Projekten derzeit fast ausschließlich um international agierende US‑Konzerne.

Immissionen und Emissionen (Hitze, Lärm, Dimensionen)

Das Vorhaben würde eine erhebliche Hitze- und Lärmbelastung für die umliegenden Orte mit sich bringen. Der geplante Stromanschlusswert von mindestens 300 MW erzeugt enorme Abwärmemengen. Vergleichbare Projekte – wie das in Lübbenau mit 200 MW – könnten zehntausende Haushalte mit Wärme versorgen. Für Stockhausen und Hötzelsroda ist bislang völlig offen, wie diese Abwärme genutzt oder abgeführt werden könnte. Ohne tragfähige Lösungen droht eine dauerhafte thermische Belastung oder es wären immense Investitionen in Fernwärme-Infrastruktur erforderlich. Auch der zu erwartende Lärmpegel des Rechenzentrums ist erheblich. Hinzu kommen regelmäßige Testläufe von Notstromaggregaten. Die geplanten Gebäudehöhen von 22,5 Metern, ergänzt durch technische Anlagen bis zu 35 Metern, entsprechen einem Hochhaus mit 10 bis 12 Stockwerken und würden das Landschaftsbild massivverändern.

Weitere Belastungen

Fragen zur Wasser- und Abwasserversorgung sind ungeklärt. Zudem wären der Ausbau des Umspannwerks sowie der 380‑kV‑Leitung erforderlich. Für die ohnehin stark belasteten Ortsteile Hötzelsroda und Stockhausen bedeutete dies zusätzliche Eingriffe in Infrastruktur und Lebensqualität.

Digitale Souveränität

Die jüngsten politischen Entwicklungen verdeutlichen, dass die Abhängigkeit von außereuropäischen Akteuren im digitalen Bereich zunehmend problematisch wird. Rechenzentren dieser Größenordnung zählen zur kritischen Infrastruktur. Eine Trägerschaft außerhalb des europäischen Rechts- und Gestaltungsraums birgt strukturelle Risiken, selbst wenn formale Vorgaben eingehalten werden. In einem geopolitisch angespannten Umfeld erscheint es wenig sinnvoll, zentrale digitale Infrastruktur in die Hände von Unternehmen zu legen, die nicht europäischer Regulierung unterliegen.

Fehlende Vorteile für Eisenach

Rechenzentren benötigen große Flächen und enorme Energiemengen, schaffen jedoch nur wenige Arbeitsplätze und tragen kaum zur lokalen Wertschöpfung bei. Die erwartbaren Steuererträge, insbesondere die der Gewerbesteuer, stehen in keinem Verhältnis zum Flächenverbrauch und zur langfristigen Blockade eines städtebaulich bedeutenden Areals.

Alternative Entwicklungsmöglichkeiten

Bislang wurden weder alternative Nutzungskonzepte geprüft noch die Bürgerinnen und Bürger von Hötzelsroda einbezogen. Das Areal besitzt jedoch großes Potenzial für eine nachhaltige Stadtentwicklung – etwa für Wohnraum, gemischte Quartiere oder klimafreundliche Nutzungen. Eine dauerhafte Bindung dieser Fläche durch ein großdimensioniertes Rechenzentrum würde diese Chancen auf lange Sicht verbauen.

Fazit

Die Entscheidung über ein Rechenzentrum an diesem Standort ist eine strategische Weichenstellung mit weitreichenden Folgen für Stadtentwicklung, Klimaschutz und digitale Resilienz. Aus Sicht von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Wartburgkreis überwiegen die Risiken und Belastungen deutlich. Eine Umsetzung der FAB‑Pläne würde Eisenach frühzeitig mit hohen Kosten und gebundenen Verwaltungskapazitäten konfrontieren und zentrale Entwicklungsmöglichkeiten dauerhafteinschränken.

Für Rückfragen steht Ihnen Christian Hoffmann, Mobil: 0171 681 99 01 gerne zur Verfügung.